Im JETZT sein

Wenn Stille berührt, wo Worte gefangen waren

Es gibt Sätze, die sich tief in unser System eingeprägt haben.
Manche haben wir gehört,
andere immer wieder selbst gedacht.
Und ohne es zu merken,
sind sie zu Landschaften geworden,
in denen wir uns bewegen,
ohne bewusst dort zu sein.

Diese Sätze sind keine bloßen Gedanken.
Sie sind Speicher.
Sie sitzen im Bauch, im Hals, in der Atmung.
Und oft ziehen sie uns zurück
in alte Geschichten.

Präsenz als Antwort

Richard Moss nennt es das Mandala des Lebens.
Ein Raum.
Ein Spiegel, der uns sanft zeigt,
wo wir innerlich gerade stehen:
Im Ich? Im Du? In der Vergangenheit? In der Zukunft?
Oder im Jetzt?

 
 

Wenn ein Satz sich zeigt

Ein Erfahrungsraum

Vor mir sitzt Anna*.
Ein leiser Moment, kaum begonnen.
Dann sagt sie:

„Wenn ich an meine Mutter denke,
kommt sofort dieser Satz: Du bist übergriffig.
Mein Bauch zieht sich zusammen.
Mein Hals wird eng.“

Ich lade sie ein:
Nichts tun.
Nur spüren.
Die Füße auf dem Boden.
Der Atem, der kommt und geht.

Dann: den Satz erneut innerlich berühren,
lauschen.

„Wo spürst du es?“
„Im Bauch… und im Hals.“

Wir bleiben dort.
Keine Analyse.
Keine Absicht.
Nur Da-sein.

Dann weitet sich der Raum:

„Während du das fühlst –
nimm auch das Jetzt wahr.
Geräusche. Den Boden unter dir.“

Etwas sinkt.
Der Atem wird tiefer.
Die Schultern weicher.

Ich lege fünf Kärtchen auf den Boden:
Ich, Du, Vergangenheit, Zukunft, Jetzt.

„Wo gehört dieser Satz hin?“
„Zum Du.“

Sie stellt sich dorthin.
Spürt.
Dann kehrt sie langsam zurück in die Mitte.
Ins Jetzt.

„Und wenn dieser Gedanke nie gedacht worden wäre,
wie wäre es dann?“

Stille.
Ein langer Moment.

Dann:

„Leer… aber friedlich.
Mein Hals ist frei.
Ich spüre sogar Liebe.“

*(Name geändert)
Inspiriert durch die Arbeit von Richard Moss, Die Kraft der Präsenz.

Was hier wirklich wirkt

Nicht das Mandala.
Nicht eine Technik.
Nicht ich.

Was wirkt, ist Präsenz.
Ein Raum,
in dem nichts korrigiert werden muss,
weil alles eingeladen ist, da zu sein.

Heilung geschieht nicht durch Tun,
sondern durch die Erlaubnis,
genau da zu sein,
wo du gerade bist.

Eine Einladung für dich

Nicht als Übung.
Sondern als Möglichkeit,
dich selbst zu spüren:

  • Spür einen Satz, der dich oft begleitet.

  • Lausche: Wo im Körper lebt er?

  • Bleib da. Nichts verändern.

  • Weite deine Wahrnehmung: Geräusche, Licht, Atem.

  • Frag dich:
    Wie fühlt es sich an, wenn dieser Gedanke nie gedacht worden wäre?

  • Lass es wirken. Ohne Ziel.

„Das Mandala zeigt dir keinen Weg. Es zeigt dir, wo du gerade bist.“

ImpulsGabriele Schmäh