Was ist der Vorteil, wenige Kunden zu haben?

Diese Frage kam ganz leise.
Nicht aus Frust. Nicht aus Strategie.
Sondern aus einem inneren Spüren:
Da ist etwas, das sich anders anfühlt. Und ich will es sehen.

Ich schloss die Augen. Und es zeigte sich ein Bild:

Ein Sandberg.
Still. Schwer. Fast das ganze innere Feld einnehmend.
Keine Kunden. Kein Tun. Nur: Sand.

Doch dann bewegte sich etwas in mir. Eine Figur begann, den Sandberg in Purzelbäumen hinunterzurollen. Nicht als Flucht. Nicht als Trotz. Sondern wie ein Kind, das das Spiel entdeckt.

Ich steckte eine Murmel in den Sand.
Dann noch mehr: eine pinkfarbene Masche, eine Haarspange mit einer Biene, das Kleid einer Puppe. Der Petzibär. Das Urmel. Ein Mainzelmännchen . Ein Häschen hoppelt um den Berg.

Ich schenke dem Sandberg meine Kinderschätze.
Und plötzlich lebt alles.

Ich frage: "Darf ich mitspielen?"
Und eine leise Stimme sagt: "Ja. Klar."

Ich habe einen Zauberstab. Ich wünsche mir Eis für alle.

Dann erscheint mein alter Kaufmannsladen von früher.
Ich verschenke Dinge. Und bei den Menschen, die sie empfangen, verwandeln sie sich: ein Plastikfisch wird zu einem echten Fisch. Eine Tüte wird zu einer Gabe. Und in mir wird es nicht weniger.

Im Gegenteil: Der Laden wird voller.

Ich bin reich durch das Geben.
Nicht leer. Nicht ausgesaugt. Sondern voller Freude.

 
 

Dann kam eine andere Erinnerung. Tiefer.
Ich spürte: Ich hatte lange ein schwieriges Verhältnis zum Schenken.
Als Kind hatte ich das Gefühl, dass meine Geschenke nicht richtig waren. Nicht willkommen. Vor allem bei meiner Mutter.

Also begann ich zu stoppen. Zu überprüfen. Mich von meinen Impulsen zu trennen.

Ich habe mich geschützt, indem ich mein Geben zurückgehalten habe.

Doch jetzt, mit dem Bild des Kaufmannsladens, kam etwas zurück.
Etwas Ursprüngliches.

Ich kann schenken, ohne Gegenleistung.
Ich kann geben, ohne mich zu erschöpfen.
Ich darf vertrauen, dass das, was aus mir kommt, genug ist.

Ich konnte mein Herz öffnen für die Geschenke meines Vaters. Ich kann sie jetzt nehmen.
Bei meiner Mutter war es anders. Ihre Geschenke stapelten sich vor meinem Herz. Ich fand keinen Satz, um sie zu nehmen, ohne ihre Erwartung mitzunehmen.

Und dann kam dieser Satz:

"Ich nehme das Licht – die Verpackung darf liegen bleiben."

Ich kann das Licht in mein Herz nehmen.
Und ich hatte den Impuls, ihr ein Herz zu schenken.
Ich legte es vor sie hin. Sie darf entscheiden, ob sie es annimmt.

Kein Druck. Kein Schuldgefühl. Nur: ein freies Geben.

Und heute Morgen bin ich aufgewacht mit dem Gefühl:

Ich freue mich, dass ich wieder in meinen Kaufmannsladen darf.

Nicht, weil ich muss. Nicht, um zu liefern. Sondern, weil ich spielen darf.
Weil ich schenken darf. Weil ich lebe.

Und vielleicht ist das der größte Vorteil, wenige Kunden zu haben:
Dass ich wieder spüre, wo mein Geben beginnt. Und wie es sich anfühlt, wenn es ganz aus mir kommt.

Nicht weniger. Sondern:
wahrer.