Offenbleiben erlaubt dem Gefühl, sich zu bewegen und der inneren Stimme, stiller zu werden
Es war nur ein kurzer Moment: Ich sagte zu einer Hundebesitzerin, dass ihr Hund viel weniger reagiere als früher. Ihre Antwort war knapp, fast abweisend. Früher hätte ich mich in ein inneres Selbstgespräch verstrickt. Wäre in die Abwertung gerutscht: Habe ich zu viel gesagt? War ich zu direkt?
Doch diesmal habe ich mir gesagt: ich bleiben offen. Ich spürte die leise Welle in mir, die Enttäuschung vielleicht. Aber ich ließ sie einfach da sein. Ohne Urteil. Und dann geschah etwas Unerwartetes: Die Emotion floss weiter. Keine Dauerschleife, kein inneres Ringen. Nur ein Kommen, ein Gehaltenwerden, ein Weiterziehen.
In der Offenheit wurde meine innere Stimme still. Nicht leer, sondern friedlich.
Was bedeutet das, offen zu bleiben?
Für mich ist es ein stilles Einverständnis: Ich darf fühlen, was ich fühle, ohne es sofort zu bewerten oder zu regulieren. Ich muss nicht mit dem Verstand eingreifen. Ich darf beobachten, atmen, lassen.
Und warum machen wir dann so oft zu?
Ich glaube, das Zumachen ist ein verspätetes Nein. Ein Schutz, der kommt, wenn wir in der ursprünglichen Situation nicht die Kraft oder Klarheit hatten, unsere Grenze zu setzen. Statt sie im Moment auszusprechen, ziehen wir sie danach in uns ein. Wie eine Muschel, die sich schließt, damit kein neuer Schmerz hereinkommt. Und doch: Auch im Dauer-Zu bleibt der Schmerz. Nur ohne Bewegung.
Das Offenbleiben ist kein Aufgeben. Es ist ein neues Ja zum Moment. Ein Ja zur Bewegung, zur Wandlung, zum Vertrauen, dass auch Unangenehmes durch uns hindurchgehen darf.
Wenn ich offen bleibe, passiert etwas mit dem Gefühl.
Es wird nicht mehr festgehalten. Es bekommt Raum. Und manchmal zeigt es, dass es gar nicht bleiben wollte – nur gesehen werden.
In der Tiefe glaube ich: Unser System will keine Dauerpanzer. Es will fließen. Und dafür braucht es keine Lösung, sondern Gegenwärtigkeit.
Vielleicht ist das stille Offenbleiben die eigentliche Medizin.