Nicht mehr Aufgabe – sondern Ausdruck
Es war einmal ein Mädchen,
das die Schwingungen der Welt
durch sich hindurchließ.
Die Wut der Mutter.
Das Ziehen im Bauch des Hundes.
Das Ungesagte in Räumen.
Die Müdigkeit in Stimmen.
Die Sehnsucht in Blicken.
Alles fand einen Platz in ihr.
Sie glaubte lange,
sie müsse es tragen.
Verstehen.
Verwandeln.
Für andere lösen.
Und während sie die Farben der Welt
in sich aufnahm,
vergaß sie langsam
ihre eigene.
Bis eines Tages etwas still wurde.
Und sie begann zu erkennen:
Nicht jede Energie will erlöst werden.
Manche wollen nur
eine Form finden.
Ein Ton.
Eine Bewegung.
Ein Bild.
Ein Atemzug.
Sie begann, Wellen zu färben.
Gefühle zu tönen.
Spannung mit den Händen zu halten,
bis sie weich wurde.
Nicht um sie loszuwerden.
Sondern um ihnen Würde zu geben.
Auch der Leere.
Auch dem Nichtwissen.
Auch dem Festgefahrenen.
Früher schnürte das Tau fremder Gefühle
ihren eigenen Körper ein.
Jetzt darf es sichtbar werden.
Außerhalb von ihr.
Als Linie.
Als Bild.
Als Bewegung.
Nicht mehr Belastung.
Sondern Material.
Nicht mehr Aufgabe.
Sondern Ausdruck.
Wie ein Kaugummi - Automat des Lebens:
Eine Emotion hinein —
eine Farbe hinaus.
Eine Spannung hinein —
ein Klang hinaus.
Ein Gefühl hinein —
eine Bewegung hinaus.
Und langsam erinnert sich das Mädchen:
Sie muss die Welt nicht mehr tragen.
Sie darf sie durch sich hindurch
sichtbar werden lassen.