Der Raum, der klingt
Es gibt in dir Formen,
die sich verändern:
Gefühle, Bilder, Bewegungen.
Manchmal ziehen sie sich zusammen,
manchmal weiten sie sich.
Manchmal erscheinen sie hell,
manchmal verzerrt.
Doch nichts davon ist deine Substanz.
Es sind nur Klänge,
die durch dich hindurchgehen.
Was in dir bleibt,
ist nicht die Melodie,
sondern der Raum,
der sie möglich macht.
Wie ein Tropfen,
der seine Form verändert,
aber nicht sein Wesen.
Wie eine Schale,
die den Ton trägt,
aber nicht mit ihm identisch ist.
Weder Liebe noch Hass
bestimmen diesen Kern.
Beide sind nur Bewegungen
auf seiner Oberfläche.
Er bleibt unversehrt.
In der stillen Mitte,
jenseits von Bewertung,
beginnt etwas anderes zu wirken:
eine Bewegung,
die aus sich selbst entsteht.
Nicht durch Wollen,
nicht durch Moral,
sondern durch reine Gegenwärtigkeit.
Dort erkennst du:
Du bist nicht das, was erklingt.
Nicht die Melodie deiner Zustände.
Nicht die Härte einer Emotion.
Nicht die Schönheit eines Moments.
Du bist das Feld,
in dem all das
überhaupt klingen kann.
Der Klangraum.
Die Weite.
Der Ursprung.
Wenn du den Tönen erlaubst zu sein,
ohne ihnen zu entsprechen,
öffnet sich eine Freiheit,
die nichts ausschließt
und nichts festhält.
Nicht Gleichgültigkeit.
Sondern Gleich-Gültigkeit:
Alles darf erscheinen.
Nichts muss bleiben.
Vielleicht gilt das
für jedes innere Bild,
jedes Gefühl,
jede Geschichte:
Du bist nicht deine Form.
Nicht dein Echo.
Nicht dein Sturm.
Du bist der Raum,
der nichts werden muss,
damit Klang entsteht.