Kohärent Sein

Kohärenz ist kein Ideal.
Kein Zustand, den du halten musst.
Sie ist eine stille Ordnung,
die entsteht, wenn du aufhörst, gegen dich zu sein.

Du erkennst sie nicht,
weil du etwas verstehst –
sondern weil etwas in dir
nichts mehr erklären muss.

Kein Widerstand.
Keine Spannung zwischen „so ist es“
und „so sollte es sein“.
Nur ein stilles Einverstanden.

Kohärenz fühlt sich oft unscheinbar an:
Atem, der von selbst fließt.
Weite, die nicht gemacht wird.
Ein Inneres, das nicht auseinanderfällt.

Ein Moment, in dem du spürst:
Ich bin da.
Ganz.
Jetzt.

Du kannst Kohärenz nicht erzwingen.
Aber du kannst sie einladen,
wenn du bereit bist, nicht mehr zu fliehen –
auch nicht vor deinem Nein.

Denn oft liegt das tiefste Ja
genau dahinter.

 
 

Wenn du dich wieder verlierst,
ist nichts falsch.
Du bist nur kurz verstimmt –
wie ein Instrument, das einen Ton sucht.

Manchmal reicht dann
ein Atemzug,
ein ehrlicher Blick,
ein stilles Erinnern:

Ich muss nichts tun,
um hier zu sein.

Gabriele Schmäh