Der Eimer darf bleiben
Integration durch innere und äußere Bilder
Ich sitze im Sand.
Neben mir ein umgekippter blauer Eimer,
eine rote Schaufel,
ein grüner Rechen.
Der Sand trägt Spuren von etwas,
das einmal gebaut wurde.
Jetzt ist es zerfallen.
Nicht zerstört.
Nur vorbei.
Ich weiß nicht, was ich tun soll.
In mir eine leise Traurigkeit.
Eine Erinnerung an Österreich,
an meine Großmutter,
an Cousins,
an Sommertage,
an etwas Warmes, das nicht mehr greifbar ist.
Ein Teil von mir denkt:
So kann es nicht bleiben.
Ich muss den Sand glätten.
Ordnung machen.
Ein Bild herstellen, das stimmig ist.
Doch meine Hände bleiben still.
Es ist kein Zen-Garten.
Es ist kein spiritueller Raum.
Es ist ein Zustand.
Ich sitze darin.
Und weiß nicht weiter.
Dann kommt mein Hund.
Kein Kommentar.
Keine Deutung.
Nur ein Blick,
eine Einladung.
Ich werfe einen Ball.
Er springt.
Mein Arm bewegt sich.
Etwas in mir bewegt sich.
Die Szene verändert sich nicht radikal.
Der Eimer ist noch da.
Die Spuren auch.
Aber ich bin nicht mehr gefangen.
Ich habe das Bedürfnis, die Bilder von außen zu betrachten:
Nicht mehr ich im Sand –
sondern eine Frau in einem Bild.
Mit einem Eimer.
Mit Erinnerungen.
Mit einem Hund.
Und etwas wird weich.
Der Druck verschwindet.
Ich muss nichts mehr tun.
Ich darf gehen.
Ich darf bleiben.
Beides ist möglich.
Je länger ich das Bild betrachte,
desto mehr wird es warm in meinem Herz.
Der Eimer gehört zu mir.
Er ist Kindheit.
Unfertiges.
Verlorenes.
Gebautes und wieder Zerfallenes.
Er ist kein Auftrag.
Kein Fehler.
Kein Rest, der beseitigt werden muss.
Er ist Teil meines Lebens.
Und der Hund ist es auch.
Vergangenheit und Gegenwart
im selben Bild.
Traurigkeit und Spiel
im selben Raum.
Integration ist vielleicht nicht,
dass der Sand verschwindet.
Sondern dass ich ihn anschauen kann,
ohne ihn glätten zu müssen.
Dass ich spielen kann,
ohne die Erinnerung zu verraten.
Der Eimer darf bleiben.
Und ich darf weitergehen.